Was haben wir vor?

“Bodenwerder MACHT selbst!” hat zwei Projektteile, einen Investitionsteil – der den Ausbau eines Bau-/Zirkuswagens zu einem mobilen Treffpunkt für Jugendliche und Erwachsene an Bodenwerders Weserpromenade beinhaltet – und einen Teil mit einzelnen “Microprojekten”, die das Ziel haben, Stärken die in Bodenwerder und seinen Bewohner*innen schlummern zu aktivieren (bei der Stadt in Form von Geschichte und Landschaft, bei den Menschen in Form von ehrenamtlichem Engagement oder einfach der Lust an qualitätvollen Angeboten vor Ort teilzunehmen).

Projektteil 1: Investition – Bauwagen an der Weser

Beim investiven Teil übernimmt das Projekt den Ankauf  und das Material für die Inneneinrichtung/modulare Ausstattung eines Bau- oder Zirkuswagens, der zunächst mit Jugendlichen und der örtlichen Jugendpflege geplant und ausgebaut wird. Dann soll der Wagen an der in der Saison stark frequentierten Promenade an der Weser – die auch gerade bis Mitte 2020 baulich umgestaltet wird – zum Einsatz kommen. Die Einsatzmöglichkeiten reichen, je nach den Ideen der Jugendlichen – von einem Aufbewahrungsort für Spielgeräte wie eine Beachvolleyballnetz oder Liegestühle über einen Informationspunkt für Touristen (z.B. Weserschiffahrt) über das Kulturangebot der Stadt bis hin zur Ausstattung mit einer Theke für Beachparties oder ähnliches. Der Modulcharakter des Bauwagens und seine Mobilität haben sowohl den Vorteil, dass der Bauwagen für verschiedene Zielgruppen genutzt werden kann und dass er in der kalten Jahreszeit, wo die Promenade von weniger Menschen genutzt wird, an einem anderen Ort zu Einsatz kommen kann (Weihnachtsmarkt der Stadt, Feste, Vereinsveranstaltungen, kulturelle Aktivitäten,..)

Projektteil 2: Micro-Projekte

Im zweiten Projektteil haben wir uns über zwei Jahre viele kleinere Angebote ausgedacht, die partizipativ sind, aktivieren sollen und die den Bürgerinnen und Bürgern in und um Bodenwerder hoffentlich viel Spaß machen werden. – Darüber hinaus ist das Ziel, den Menschen in der Münchhausenstadt zu zeigen, dass Eigeninitiative sich lohn und sie selbst einiges tun können, um die Stadt noch schöner und interessanter zu machen.

  • Bodenwerder – Eine Stadt geht ins Ohr 

Als größtes der kleineren „Micro-Projekte“ ist die Umsetzung eines einmaligen Theaterprojekts geplant, das sich der Frage stellt, wie man die Geschichte eines Ortes und seiner Menschen über authentische akustische Quellen erzählt. Also kurzgefasst: Wie klingt Geschichte? Wie hört sich das akustische Gedächtnis einer Stadt an? Aber auch: Wie klingt die Stadt heute? Welches Geräusch, welcher Sound ist charakteristisch? Wie klingt die Stadt für Menschen, die nicht dort geboren sind? 

Interviews mit Stadtbewohnern aller Generationen, welche zum einen als Grundlage für die Stückentwicklung dienen und zum anderen auch als O-Töne auf der Bühne Verwendung finden sollen, bilden die Grundlage des Theaterprojekts. Des Weiteren werden auch andere Speicher-Aufnahmen und Verbreitungsmedien, wie Schallplatten, CDs, Radioaufnahmen, Sprachaufnahmen mit dem Handy usw. benutzt.

Die Präsentation der Ergebnisse soll am 16. Mai 2020 im Rahmen des Münchhausen-Geburtstages in der Innenstadt von Bodenwerder stattfinden. Eventuelle können die Ergebnisse dieses Projektes auch langfristig in eine Hörstation in der Innenstadt einfließen. 

Mitwirkende könnten u.a. sein: Senioreneinrichtungen, Schulen, Jugendzentrum Klex, Interkultureller Kontakttreff und Bewohner und Institutionen, die Lust auf das Projekt haben. Ein erwünschter Nebeneffekt dieses Projektes wird sein, dass sehr unterschiedliche Menschen miteinander in Kontakt kommen und etwas gemeinsames schaffen werden, was zudem das Identitätsgefühl als “Bodenwerderaner*innen” stärken sollte.

  • Münchhausen 2020

Bodenwerders allesumfassende Werbe- und Identifikationsfigur, den Baron von Münchhausen, wird von mehreren engagierten Darstellern lebendig gehalten und der Baron absolviert von der Eröffnung der Weserschifffahrts-Saison über die Präsentation eines Münchhausen-Comics im Museum bis zum Senioren-Nachmittag unzählige Termine im Jahr. In der Stadtmitte wechseln sich in der Tourismus-Saison das Münchhausen-Musical und das Münchhausen-Spiel sonntäglich ab und Bodenwerder hält mit dem Münchhausen-Museum eine Einrichtung vor, die auch viele internationale Besucher anlockt. Da der Baron 2020 seinen 300sten Geburtstag feiert, wollen wir durch verschiedene Aktivitäten eine zeitgemäße Präsentation dieses historischen Sohnes der Stadt unterstützen!

Durch die neue Leiterin des Münchhausen-Museums ist bereits eine Umgestaltung und zeitgemäßere Präsentation der Ausstellung zum Baron begonnen worden. Zur Unterstützung dieses Prozesses und mit einem Augenmerk speziell auf die Belange von Kinder jugendlichen Ausstellungsbesuchern, hat das Projekt “Bodenwerder MACHT selbst!” im Januar eine Kulturwissenschaftlerin, die zur Zeit auch den Masterstudiengang “Inszenierung der Künste und Medien” in Hildesheim absolviert, als Praktikantin für das Museum eingestellt. 

Auch mit den Darstellern des Münchhausenspiels sind Aktivitäten geplant, die aber noch genauer geplant und abgesprochen werden müssen. Mehr hierüber in Kürze.

  • Disco-Date/Disco on demand

Es gibt keine Disco in Bodenwerder und keine wirklich attraktive, längerfristig lukrative, belebte Kneipe. Dagegen gibt es etliche BodenwerderanerInnen, die regelmäßig in den sozialen Medien über diesen Zustand lamentieren. Warum nicht diese Menschen – die ja anscheinend einen Bedarf/ein Interesse haben – adressieren und ihnen eine Platform bieten, sich mit anderen genau zu so einer Veranstaltung (sei es ein gemütlicher Kneipenabend, sei es eine Disco) gezielt zu verabreden und Ihnen dann Raum, Musikanlage und eine/n  „Kümmerer/in“ zur Verfügung stellen, damit die Sache stattfinden kann. Ort des Geschehens soll jeweils ein anderer aktueller Leerstand in der Innenstadt Bodenwerders sein. Das Projekt stellt eine Musikanlage, eine Discokugel und einen Kühlschrank mit Getränken. Der/die Kümmerer/in lädt auf Facebook ein, ein Termin wird durch die Interessierten selbst per Doodle festgelegt. Auch die Möglichkeiten, eine gemeinsame Playlist für die Musikauswahl zu erstellen ist im Internet einfach und kostenfrei gegeben. Vorteile: Eine selbstorganisierte Disco wann ich möchte, mit wem ich möchte (man weiß wer noch dort sein wird und kann die eigenen Freunde einladen). Für die Leestands-Besitzer ist die Aktion zudem eine Möglichkeit, ihre Räumlichkeiten einer größeren Anzahl von Menschen in einem wortwörtlich anderen Licht zu präsentieren – mit einer attraktiven Aufmachung, Beleuchtung und “Belebung”, die vielleicht sogar den einen oder die andere motiviert, sich auch außerhalb der Disco für diese Räumlichkeiten zu interessieren..

  • Freiluftkino

Anfang der 90er Jahre hat es in Bodenwerder gelegentlich ein improvisiertes Freiluftkino unter der ehemaligen Bahnbrücke über die Weser gegeben. Eine Leinwand an einem der breiten Brückenpfeiler befestigt, ein Beamer und einige Getränke – direkt nebenan in der Weser gekühlt.   In der Innenstadt gab es früher auch ein Kino, dem viele ältere EinwohnerInnen noch nachtrauern. Das Freiluftkino soll drei Mal in 2020 und drei Mal in 2021 stattfinden. Einer der Filme wird wahrscheinlich “All Inclusive” sein, ein Film mit Schauspielern mit und ohne Behinderung, in dem es um die Übernahme eines Hotels am Weserufer geht. Geplant ist dann eine inklusive Filmvorführung mit vorheriger Kontaktaufnahme und Einladung an lokale Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Ein weiterer Film könnte “B.O.W. Boyz of Weserbergland” sein, eine Low-Budget-Produktion von drei jungen Männern aus Hameln, die als Skater, Rapper und Street-Dancer mit Ihrem Film Jugendlichen zeigen, wie schön Ihre Heimatstadt ist und wie man auch in der Provinz selbst etwas “los machen” kann. Hierzu wird es wahrscheinlich ein Vorprogramm auf dem Skaterplatz in direkter Nähe zum geplanten Freiluftkino-Platz an der Weser und diesmal werden gezielt Jugendliche eingeladen z.B. über die Jugendpflege und die Streetworker des Landkreises.

  • Fremde Heimat – vertraute Fremde (Arbeitstitel)

Es gibt in Bodenwerder einen wichtigen Termin für Migrantinnen aber auch für an Austausch interessierte alteingesessene Bodenwerderanerinnen: den Internationalen Kontakttreff. Das regelmäßige Treffen ist aus einem landesweiten Aktionsprogramm „Migrantinnen in Niedersachsen – Integration gestalten“ (2008-2010) entstanden und wurde auch nach Auslaufen einer Förderung von der Gleichstellungsbeauftragten der Samtgemeinde, Ilona Glenewinkel, bis heute weitergeführt. Jenseits der inhaltlichen Komponente ist der Kontakttreff ein essentieller Ort der Begegnung und des Erfahrungsaustauschs der Migrantinnen untereinander sowie mit Frauen ohne Migrationshintergrund. Die Samtgemeinde Bodenwerder-Polle unterstützt dieses Gleichstellungsprojekt als einen wichtigen Baustein zur Integration; ihr fehlen aber für größere Aktionen des Kontakttreffs die Mittel. So ist der Treff zwar ein kontinuierliches Angebot, die Migrantinnen sind aber außerhalb der Treffen, in der Öffentlichkeit, bisher nur selten als Gruppe wahrnehmbar. Bei einem Projekt von Kaleidoskop e.V. in 2015 zeigte sich auch das große Talent der Gruppe in Handarbeiten. Über mehrere Monate war ein Großteil der Frauen bei „Bodenwerder wird bunt“ daran beteiligt, die Innenstadt gemeinsam mit der Hannoveraner Street-Art-Künstlerin Mansha Friedrichs in bunten Farben einzuhäkeln und zu -stricken. Eine Aktion, bei der die Frauen erstmals in dieser Breite z.B. in der regionalen Presse erschienen. Weitere Interessen der Gruppe sind gemeinsames Singen und viele würden auch gerne Theater spielen.  Bei Interesse kann der Kontakttreff in das Theater-Teilprojekt „Bodenwerder geht ins Ohr“ eingebunden werden. 

Über das Theaterprojekt hinaus soll den Frauen eine weitere Aktion gewidmet werden, die dann – ohne weitere Förderung – nachhaltig als Projekt der Gruppe weiterlaufen kann. 

Eine solche Aktion könnte die Einrichtung eines Interkulturellen Gartens in Kooperation mit einem ansässigen Gartenbauunternehmen und eine*r freien Gärtner*in sein. Vielleicht haben die Frauen aber auch Lust, einen Chor mit internationalem Liedgut zu gründen. Was dieser Projektteil genau beinhaltet wird auf jeden Fall mit der Gleichstellungsbeauftragten Ilona Glenewinkel und der Gruppe gemeinsam entwickelt.

  • Transit Berlin-Bodenwerder 

Die KulturMühle im kleinen Ort Buchhagen, vier Kilometer außerhalb der Kernstadt Bodenwerder, ist seit nunmehr zehn Jahren ein beliebter Veranstaltungsort vor allem für Musikveranstaltungen, aber auch für Theater, Kabarett, Kindernachmittage und Mitmachveranstaltungen. Die letzte Geschäftsführung von KulturMühle/Kaleidoskop e.V. hat durch ihre gute Vernetzung mit der Landeshauptstadt Hannover viel frischen Wind in das Programm der Mühle gebracht. So gab es in den letzten Jahren Gastspiele des Staatstheaters Hannover, Poetry Slams mit etablierten Slammern aus ganz Norddeutschland und mehrere Jazz- und Pop-Konzerte mit überregional bekannten MusikerInnen in der KulturMühle. Diese Vernetzung mit einer Großstadt ist zum Vorteil nicht nur der KulturMühle sondern auch der auftretenden KünstlerInnen, denn ihnen kommt mitunter in der „Provinz“ eine viel größere Aufmerksamkeit zu als bei sich zuhause, wo sie mit einer Vielzahl anderer Acts konkurrieren müssen. Aus dieser Überlegung entwickelte sich das Micro-Projekt „Transit Berlin-Bodenwerder“. Die Projektleitung wird also ihre Fühler nun nach Berlin ausstrecken. Das Konzept beinhaltet, dass wir sechs Mal im Projektzeitraum erfrischende Berliner Acts nach Bodenwerder/Buchhagen in die KulturMühle holen.